Column: Go and get it Secondhand

Offen gesagt leben wir in einer Konsumgesellschaft. Wir wollen immer das Neuste, das Beste, das Trendigste.

Gerade in der Modeindustrie fällt es mir besonders auf.
Zuerst wollen alle Designertasche X, weil sie auf Instagram und Co. total gehypt und von allen Bloggern getragen wird. Und dann, zwei Monate später vielleicht (wenn überhaupt), redet niemand mehr davon. Warum auch? Jetzt gibt es ja Tasche Y, grade frisch auf den Markt gekommen und bereits „geliket“ von Millionen von Frauen und Mädchen.
Das ist eine Entwicklung die mir nicht unbedingt gefällt. Das was du trägst, du, wird danach bewertet, wie angesagt es ist und nicht nach der Geschichte, die dahinter steckt. Wir verbinden nichts mehr mit solchen Gütern. Zumindest nichts Persönliches. Kleider werden kurzfristig getragen, kurzfristig geliebt und dann zu den Motten in den Schrank verbannt. Dann ist Zeit für ein neues Teil, an dem wir uns erfreuen können und mit dem wir unser Trend-Bewusstsein zur Schau stellen können.
Was dieses Konsumverhalten angeht, will ich mich gar nicht ausschließen. In vielen Hinsichten bin ich wahrscheinlich kein Deut besser als alle anderen. Mein Schrank platzt aus allen Nähten, ich besitze gefühlt 20 Paar Schuhe und trotzdem noch Shoppen. Ich hätte, genauso gern wie die meisten, liebend gern all die tollen Dinge die ich im Schaufenster sehe.
Aber ich habe es auch gern, wenn die Dinge mehr sind als bloß schöner Schein. Ich mag es, wenn sie eine Geschichte erzählen, etwas erlebt haben, und das tun sie nur, wenn sie schon einen längeren Weg hinter sich haben als den von der Produktion ins Geschäft.
Wahrscheinlich stehe ich deshalb so auf Vintage- bzw. Secondhandmode. Weil sie mir genau das geben kann. Einzelstücke.
Und nicht nur das. Ich spare auch enorm viel Geld. Selbst die ach so gehypte Designertasche XY kostet, insofern man eine Saison wartet, im Secondhandshop nur noch die Hälfte.
Außerdem tut man etwas Gutes. Vielleicht nicht vorrangig für die Wirtschaft, aber definitiv für die Welt. Man schenkt den Dingen ein zweites Leben. Ein schöner Gedanke, wie ich finde.

Und genau deshalb tue ich es jetzt auch: Alles was nicht von mir getragen wird, verkaufe oder spende ich. Auf das sich ein Anderer auch daran erfreuen kann.
~
We’re living in consumer society. We always want the newest stuff, the best, the trendiest. 
This especially stands out to me in fashion industry.
First, everyone wants designer bag X, because it’s hyped on Instagram, Facebook and so on, and is worn by all bloggers. But then, two month later maybe (if at all), nobody even talks about this bag anymore. Why should they? Now there’s bag Y, freshly appeared on the market and already “liked” by millions of women and girls. 
I don’t really like this development…What you wear is judged by it’s level of popularity and not by the story behind. We don’t couple commodities like these with something anymore. At least nothing personal. Clothes are worn and loved short-dated and then end up with the moths in our closets. At this point it’s time for another item, with which we can proof that we’re fashion-forward.
I would never except myself when it comes to consumerism. Probably I am not better than everyone else. My closet is bursting at the seams, I own way too many shoes and, guess what, I still shop. Of course I would like to have all these beautiful things I see in the display windows.
But I also like when something is more than just veneer. I like it when clothing has history, is able to tell stories. But that’s only possible if the items’ ways were longer than the one from the factory to the shop.
I guess that’s why I’m into Vintage or Secondhand fashion so much. I find what I really want here. Individual pieces.
And that’s not the only thing. I save an enormous amount of money. Even the hyped designer bag XY costs only half secondhand one or two season later.
Finally you do something good. Perhaps not primarily for the economic system, but definitively for the world. You give a new life to all of this clothing. A nice thought, as I think.

Therefore I’m doing exactly that now: Everything I don’t wear, will be donated or sold. So someone else can rejoice in it.

Diese Kolumne erschien bereits am 26.01.2016 auf der Jugendseite “Juthu” der Tageszeitung “InSüdthürigen”.

3 Comments

  1. Julia Bmn 29/01/2016

    Wow, der Text ist wirklich toll! Du hast unglaubliches Talent zum Schreiben. Ich kann dir wirklich vollkommen zustimmen bei der Konsumgesellschaft. Ich habe leider das Gefühl, dass dieser Drang das Neueste, Beste und Teuerste zu besitzen von Jahr zu Jahr immer mehr Jüngere Leute betrifft. So fängt das beispielsweise schon im Alter von 12 an, sich mit diesen Dingen zu beschäftigen, was unglaublich Schade ist. Gerne mehr solcher Posts!! 🙂

    Love, Julia
    http://www.sere-ndipity.blogspot.de

    Antworten
  2. Adrika 29/01/2016

    great post ! 🙂

    please follow my blog : YOUNG BLOG

    Antworten
  3. Hannah 28/01/2016

    Tolle Kolumne!
    Es stimmt, was du da schriebst. Dabei sind Klamotten oder Designerstücke nun wirklich nicht das wichtigste. Und wie heißt es so schön. Mode ist das was Designer 4 Mal im Jahr machen, Style ist etwas, was man persönlich über Jahre entwickelt. Mode vergeht, Style bleibt. Dazu brauchen wir keine Designertaschen. Jedenfalls nicht für das Geld. 🙂

    Alles Liebe
    Hannah

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.