Column: Geschafft.

Das Herz pocht bis zum Hals. Nein. Bis in die Wangen. Mein Herz pocht bis in die Wangen. Ich war wahrscheinlich noch nie so aufgeregt. Nicht ein einziges Mal. Und dabei ist der Stress weit weniger groß als bei anderen Prüfungen.
Ich glaube, heute ist der glücklichste Tag meines Lebens. Ich bin so froh, dass ich es nicht mal in Worte fassen kann. Wirklich fröhlich. Und dabei dachte ich heute Morgen noch ich müsste sterben:
Falls ihr euch immer noch fragt von was zur Hölle ich rede: Wir schreiben den 30. März 2016. Ich habe heute Fahrprüfung. Die letzten Fahrstunden liefen gut. Mein Fahrlehrer (ganz nebenbei ein äußerst netter Mensch) meint, wir würden das schon hinkriegen, das Ding rocken.
Ich bin mir da noch nicht so sicher. Mein Herz klopft. Und ich bin kreidebleich. Einerseits kann ich es nicht erwarten, weil ich nichts erwarten kann. Andererseits möchte ich schreiend wegrennen und mich verkriechen. In der dunkelsten Ecke auf dieser Erde. Am besten für immer.
Aber das tue ich natürlich nicht und so sitze ich bereits ein paar Minuten später im Auto und spüre den Blick des Prüfers in meinem Nacken. Mein Herz klopft. Und meine Wangen färben sich langsam rot.
Es geht los. Alles ist gut.
Bis ich parken muss…Kurzzeitig denke ich, es ist gelaufen. Das Ding ist rum. Mein Ehrgeizig hat sich wieder einmal überschlagen und ich bin einen Moment lang dabei, mit dem Gedanken des Aufgebens zu liebäugeln.
Aber nein. Ich nicht, denke ich mir. Das wäre gegen meine Grundsätze. Nicht mit dem vereinbar, was ich mir vorgenommen hatte. Ich kann mich nicht selbst bloßstellen. Mein Gewissen würde mich umbringen.
Weitermachen ist die einzige Option, die ich habe. Und in gewisser Weise zahlt sich das aus. Ich fahre weiter. Vorbei an Kehrmaschinen. Über die Autobahn. Biege rechts ab, links.
Auf dem Rückweg zur Prüfstelle steht mir das Blut im Kopf. Ich kann es rauschen hören. Mein Herz klopft. Mein Kopf ist feuerrot.
Und dann ist es vorbei. Ganz schnell. Ich realisiere es zuerst gar nicht, dann schließe ich damit ab und stelle mich bereits darauf ein, die Prüfung wiederholen zu müssen. Der Prüfer lässt mich zappeln, wie einen Fisch an der Angel, der darauf wartet, entweder ins Boot oder zurück ins Wasser geworfen zu werden. Und der Fischer entscheidet sich einfach nicht…
Ich stehe draußen im Regen. Wartend. Immer noch. Die Nervosität verschwindet nicht. Nah am Ufer gebaut, wie ich bin, werden meine Augen überschwemmt. Die Tränen wische ich schnell weg. Der Kloß im Hals bleibt.
Sogar noch, als ich das rosa Stück Papier in den Händen halte, das ich von jetzt an meinen Führerschein nennen darf. Zumindest bis ich 18 bin und es durch einen richtigen eintausche.
Es war ein hartes Stück Arbeit. Eine schwere Geburt. Jetzt bin ich ausgelaugt. Müde. Mein Herz klopft immer noch. Und ich bin immer noch rot.

Aber jetzt ist es von der Seele geschrieben. Der Kloß beginnt sich aufzulösen und ich beginne das Glück, das ich heute habe, zu genießen.
I’m so sorry. This column is a very spontaneous one, which is why it’s only available in German. I hope you don’t mind, you’ll get all the exciting life updates in tomorrow’s Monthly Review.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.