Column: All Monsters are Human [GERMAN ONLY]

Auschwitz. Ich hatte keine Ahnung, was ich empfinden würde. Ich wusste nicht, ob ich es aushalten würde mit so viel Leid konfrontiert zu werden. Ob ich weinen würde. Im Nachhinein davon loskommen könnte.

Der Besuch der Gedenkstätte ist jetzt zwei Wochen her. Ich denke, ich kann mittlerweile darüber schreiben. Muss darüber schreiben. Denn was bringen mir all diese Gedanken, wenn ich sie nicht teile?
Zuerst einmal muss ich zugeben, dass ich den Schrecken und das Leid, das man unfreiwillig selbst spürt, sobald man auch nur einen Fuß auf das Gelände setzt, besser überstanden habe, als ich ursprünglich dachte. Da ist kein tiefes Loch, in das ich gefallen bin. Nur Zweifel an der Menschheit. Ich frage mich, wie es möglich sein kann, so etwas Schreckliches zu erschaffen und irgendwo auch ob das Böse, dass in Auschwitz geherrscht hat auch in meinen Genen verankert ist…
Ich meine, ich bin Deutsche. Und eigentlich auch stolz darauf. Ich habe mich nie für meine Nationalität geschämt, nie darüber nachgedacht, wie es wäre, würde eine Andere in meinem Pass stehen. Bis zu diesem Moment.
Plötzlich war mir alles peinlich. Meine Herkunft. Meine Sprache. Meine Art mich zu bewegen. Ich habe mich beobachtet gefühlt. Ich habe mich schuldig gefühlt. Schuldig, für etwas, dass nicht mal meine Großeltern wirklich bewusst erlebt haben.
Die meisten Menschen zerbrechen sich an dieser Stelle den Kopf darüber, wie ein Mensch in der Lage ist solche Dinge zu tun. Ich habe das gar nicht getan. Ich habe Abstand davon genommen und mich damit abgefunden. So hart es klingt, Geschichte ist Geschichte. Ich kann sie nicht rückgängig machen. Der Holocaust bleibt auf ewig ein Teil davon, so gerne wir ihn auch einfach ausradieren würden.
Womöglich würde ich diesen Text hier gar nicht schreiben, wäre in Deutschland alles gut. Friede, Freude, Eierkuchen. Nur leider ist das nicht so, weshalb ich mir die Frage stelle: Haben wir aus der Geschichte gelernt? Und auf welche Weise?
Ich habe Angst. Und das sicher nicht ganz zu Unrecht. Die AfD wirbt lautstark damit, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört. Nun, denken wir zurück – Vor 80 Jahren war es noch das Judentum.
Ich möchte in keiner Welt leben, in der Menschen verfolgt werden. Eingesperrt oder gar getötet, aufgrund ihres Glaubens, ihrer Herkunft oder ihrer politischen Meinung. Nur leider ist das nicht die Realität. Das wahre Gesicht dieser Welt ist ein grausiges. Und wir haben sie erschaffen.

Es gibt keine Monster. Nur Menschen.

2 Comments

  1. elena 12/05/2016

    Du hast so recht.
    Ich verstehe einfach nicht wie so viele Menschen plötzlich einer Partei wie der AfD anhängen und wie viele Menschen fremdenfeindlich sind. Mich macht diese Entwicklung so traurig und wütend..
    Ich finde es echt toll, dass du das ganze mal ansprichst, das machen viel zu wenige.

    Alles Liebe♥

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  2. Thuy 08/05/2016

    Wahre Worte. Traurig, aber wahr. Es ist so erschreckend die derzeitigen Entwicklungen mitzuverfolgen. Ich frage mich wirklich, wie man nach keinen 100 Jahren an der selben Stelle stehen kann. Aber wenn ich je etwas gelernt hat, ist es, dass der Mensch nicht aus seinen Fehlern lernt und sich Geschichte wieder und wieder wiederholt… Leider.

    Alles Liebe <3

    Antworten

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