Internet Sexism

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beautiful drawings by elesq via tumblr – send her some love

Vor einiger Zeit postete ich ein Bild im Netz. Nichts Großartiges. Zumindest nicht für mich.

Es waren die letzten heißen Tage dieses Sommers und ich drauf und dran mich auf den Weg ins Schwimmbad zu machen. Der Badeanzug den ich trug war schon ein bisschen sexy. Das gebe ich zu. Aber gleichzeitig auch unfassbar schmeichelhaft. Warum also nicht ein Bild davon auf Instagram posten? Ich hatte keine spezielle Intension. Im Nachhinein betrachtet und mit dem Wissen, was für eine Welle an Aufmerksamkeit ich damit lostrat, hätte ich das Ganze vielleicht nochmal überdenken sollen:

Ein ehemaliger Klassenkamerad fragte mich doch tatsächlich „was ich den bitte für Bilder poste“. Ich habe ihm bis heute nicht auf diesen Kommentar geantwortet. Warum auch? Wäre ich ein Kerl, würde es niemanden scheren wie viel Haut ich im Internet zeige. Bin ich nur nicht. Ein Bild meiner bedeckten (!) Brüste ist also ziemlich unmoralisch. Auch in der Schule wurde ich auf das Bild angesprochen. Eine Sache, die so niemals vorkommen würde. Man fragte mich, wie ich auf die Idee kam meine Brüste ins Netz zu stellen und sagte mir, dass ich ziemlich mutig wäre. Wirklich verstehen konnte ich das nicht. Ich fand und finde dieses Bild nicht schlimm. Weder anstößig, noch freizügig. Klar, man sieht ein Stück meines Busens. Man sieht, dass er existiert. Ich kann verstehen, wenn manche Menschen, das für „zu viel“ befinden. Ich kann verstehen, wenn sie selbst nichts Ähnliches posten würden. Aber muss man mich dafür beurteilen? Muss man Vermutungen über mich und meine Intentionen anstellen? Nein. Immerhin entscheide ich, und nur ich ganz allein, darüber, wie ich mich zeigen will. Im Internet und in der Realität. Nur weil ich meinen Badeanzug als schön und einen Instagram-Post würdig empfinde, sollte noch niemand schockiert sein.

Das sind meine ganz persönlichen Erfahrungen mit Sexismus im Netz. Eine Kleinigkeit, aber trotzdem in gewisser Weise sexistisch. Es geht noch wesentlich schlimmer. Ich bin ehrlich, Sexismus ist überall. Auch wenn wir es gerne verleugnen würden, er bestimmt unseren Alltag. Weil es mittlerweile schon unglaublich festgefahren ist. Ich bin viel im Internet unterwegs. Es ist etwas Alltägliches für mich, weshalb ich auch bei diesem Beispiel verbleiben möchte.

Mit welchen Themen werden weibliche Blogger und Youtuber denn heutzutage in Verbindung gebracht? Mal scharf nachdenken. Beauty und Mode vielleicht? Mit was auch sonst. Es stimmt schon, wir beschäftigen uns mit diesen Dingen, ich selbst schreibe auf meinem Blog auch über Mode. Aber vergisst die Gesellschaft nicht, dass wir uns auch mit anderen Themen beschäftigen? Mit Politik, Sport, Musik, Kunst, ja die ein oder andere auch mit Video-Spielen. Wir sind doch alle Individuen. Auch wenn man es auf den ersten Blick nicht vermutet, im Internet werden wir (genau wie in der „realen“ Welt) trotzdem alle über einen Kamm geschert.

Wir werden mit Idealen konfrontiert, die besonders viele Likes erhalten. Mädchen und Frauen wird eingetrichtert, wie sie zu sein haben um Beliebtheit im Netz zu erreichen. Denn das ist es doch, was heute zählt. Und weil der Großteil von uns diesen Idealen nacheifert, werden wir langsam aber sicher zu einem Einheitsbrei. Ohne es zu merken.  Ich beurteile niemanden, der wie Kylie Jenner sein will. Der jeden Tag 2 Bilder seines perfekt geschminkten Gesichts veröffentlicht und damit Tausende Likes und Kommentare kassiert. Aber ist unsere Welt nicht verrückt? Wir werden heutzutage auf Schritt und Tritt beobachtet und bewertet.

Dir gefällt was ich mache? Du likest mein Bild. Vielleicht kommentierst du auch. Aber wehe mir, es gefällt dir nicht. Dann konfrontierst du mich. Redest darüber. Zerreißt dir das Maul.

Niemand will es wirklich für wahr haben, aber auch das ist Sexismus. Ich habe das oft erlebt und will, dass es aufhört. Nur kann man die Welt nicht an einem Tag retten. Aber mit dem beurteilen anderer können wir von heute zu morgen sehr wohl Schluss machen. Denn ich mag zwar eine Frau sein, von der ein gewisses Verhalten erwartet wird, aber ich entscheide selbst. Lasst mich doch meine Brüste zeigen. Free the nipple. Lasst uns Frauen doch einfach machen. Nein. Nicht nur uns Frauen. Alle. Hören wir doch einfach auf uns gegenseitig über Geschlechterrollen belehren und in Schubladen stecken zu wollen. Wenn nicht im Internet, dem Medium unserer Generation, wo wir angeblich alle sein können, wie wir wollen und wirklich sind, wo dann bitte sonst?


I posted a photo on Instagram some time ago. Nothing too crazy. At least not to me.

The last hot days this summer, I was about to set out to a public swimming pool with some friends. The swimsuit I wore back then was a bit sexy. That’s what I admit. But it was incredibly flattering at the same time. So why shouldn’t I post a picture of it on Instagram? Well, retrospectively, with the knowledge of what a wave of attention I caused, I probably should have overthought the whole thing again:

A former classmate really did ask me „how I could post such photos“. I never answered his message. Why? If I would be a guy, no one would care about how much skin I show on the Internet. Not even a little. But I’m not. Therefore a picture of my covered (!) boobs is more than wrong to morality. They even talked about it in school. Something that never happened before with any other of my photos. I was asked how posting a picture of my boobs came into my mind. They told me I’m brave. I never really understood why exactly. I don’t see and never saw what the bad thing about this photo is. It’s neither indecent, nor revealing. Okay, you might see part of my breasts. You see they exist. I totally understand if people think that’s “too much”. I understand if they wouldn’t publish similar things. But is it necessary to judge me for doing so? Do people really have to speculate about me and my intentions? Nop. After all it’s my decision, and mine only, how I show myself to the world. On the internet and in reality. Only because I find my swimsuit is pretty and Instagram-worthy, no one should be shocked.

These are my very personal experiences with internet sexism. A trifle, but still sexist in some way. There are way worse cases, I know. But to be honest, sexism is everywhere. Even though we often deny it (or at least would like to), it affects our everyday life. Just because it’s inexplicably stuck in our heads. I spend a lot of time in the World Wide Web. It’s bread-and-butter to me, which is why I want to remain with this one example.

Which topics do you associate with female bloggers and youtubers today? Let’s think about it. Beauty and fashion maybe? What else could it be? It’s true, we deal with these issues. I mainly write about Fashion on my blog myself. But doesn’t society forget we are more than that? We’re interested in other things, too. Politics, sports, music, art and yes, the one and the other even is into video games. Holy God. We’re all individuals. Although you wouldn’t case at first glance – we’re all coloured with the same brush on the internet (just like in “real” world).

We’re confronted with so called „idols“, who receive a lot of likes. Girls and women are told how they have to be, so they can be successful online. That’s what counts in our world, doesn’t it? And while the majority of us try to equal to all those Kim K’s out there, we all become one big mishmash. Without even noticing it. I don’t judge someone, who wants to be like Kylie Jenner. Someone who daily posts two pictures of her perfectly glammed up face and gets thousands of likes and comments. But isn’t it crazy? Nowadays we’re looked at and then evaluated. Always and everywhere.

You liked what I do? You like my picture/my article/ whatever. Perhaps you also comment. But woe is me if you don’t. Then of course you have to confront me. Some hate never hurts.

Nobody really wants to see this, but all these things are pure sexism. I often experienced and I wish it


– Dieser Artikel erschien in gekürzter Form zuerst am 11.10.2016 in den Tageszeitungen Freies Wort, Südthüringer Zeitung und FW Meininger Tageblatt. –

5 Comments

  1. Swantje 01/11/2016

    Sehr gut geschrieben!! Ich kriege auch jedes Mal einen Hassanfall, wenn ich mal bei hübschen Frauen die Kommentare durchlese… ‘Boah is die geil!’ , ‘hast bock?’, ‘die hat geile b…’ ey sorry..aber das geht gar nicht.
    Sie werden total als Objekte dargestellt. Klar geben sich viele Frauen auch sehr fragwürdig, aber das gibt den anderen nicht das Recht sie so abwertend darzustellen.

    Ich finde die heutige Zeit mit dem ganzen Internetkram usw. sehr schrecklich und beängstigend.
    Geht schon mit der Pornografie los … Das was dort passiert, wird oft auch auf die “normalen” Frauen übertragen, obwohl das ja alles nur Fake ist.

    Sehr schwieriges Thema…

    Liebste Grüße
    Swantje von http://www.swanted.de/

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  2. May 30/10/2016

    Wirklicher starker Post!
    Besonders über den alltäglichen Sexismus sollte viel mehr
    geschrieben werden. Gerade habe auch ich einen Post über
    das Schubladendenken verfasst.
    Das beschäftigt uns wohl beide 😀

    Antworten
  3. Kerstin 28/10/2016

    Ganz toller Text! Ich habe vor kurzem auch über Sexismus geschrieben und habe ähnliche Erfahrungen wie du. Schon witzig, dass es bei Kylie Jenner okay ist aber wenn Menschen in unserem näheren Umfeld sowas posten finden wir es schrecklich. Ziemlich hypocrite, wenn man mich fragt!

    Love, Kerstin
    http://www.missgetaway.com/

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  4. amely rose 27/10/2016

    Hallo Maus danke dir <3
    ja JETZT sieht mein Arbeitsplatz schön aus. Obwohl, selbst toll eingericchtet
    schaffe ich ihn in wenigen Minuten zu, zumüllen 😀
    Mein absolutes Talent

    alles Liebe deine AMELY ROSE

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  5. AlienPanda 26/10/2016

    Ich finde es echt toll das du dieses Thema ansprichst. Und ich bin auch total deiner Meinung. Nur weil man als Frau ein etwas freizügigeres Bild postet ist man doch nicht gleich eine “bitch” (sorry für das Wort). Danke für diesen Beitrag, nicht viele trauen sich so einen Post zu schreiben und da sind Leute wie du sehr wichtig :).

    Liebe Grüße,
    Anna
    http://alien-panda.blogspot.de/

    Antworten

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