Column

Generation Bindungsbehindert.

Liebe war noch nie einfach. Nicht heute und nicht gestern und auch in tausend Jahren nicht. So kompliziert die Natur einer Beziehung ist, meine Generation scheint das Wort „kompliziert“ auf die Spitze zu treiben und zu mehr als nur zum Beziehungsstatus auf Facebook zu deklarieren. Meine Generation, Generation Y hat ein merkwürdiges Verhältnis zur Liebe:

Ich hatte in meinem Leben nur eine Beziehung, die ich zum Großteil mit positiven Dingen assoziiere. Ich habe also keinen Vergleich. Nur die Außenwelt um mich herum, meinen Freundeskreis, Gleichaltrige. Deren Auffassungen und Meinungen. Ich kann nur beobachten, wie sie lieben. Sie tun es auf eine Art, die all meine Theorien nur bestätigt:

Bis auf einige Ausnahmen konnte ich Tendenzen zu zwei Extremen beobachten. Man bindet sich entweder gar nicht oder wird voll und ganz eins. Ich habe Freunde, die haben keine Beziehung auf dem Schirm. Sie wollen gar keine. Ihnen geht es um Spaß – Spaß, der von Verpflichtungen nur unnötig behindert wird. Beziehungen werfen für diese Art von Menschen nur Probleme auf. Sie gehen der ganzen Sache lieber von vorneherein aus dem Weg. Das spart die Zeit, die man aufwenden müsste um sich aus dem Staub zu machen, sollte es doch mal schwierig werden. Natürlich gibt es auch andere Wege, solche Situationen zu vermeiden: Sich in ein und dieselbe Person zu verwandeln würde ich persönlich nicht als die beste Alternative bezeichnen, in meinem Bekanntenkreis erfreut sie sich aber dennoch großer Beliebtheit. Ausdrücke wie „Uns gibt es nur im Doppelpack“ oder „Nicht ohne meine Freundin“ erinnern mich eher an siamesische Zwillinge als an ausgewogene Beziehungen. Scheinbar gehöre ich mit dieser Meinung aber einer Minderheit an. Es scheint sich etabliert zu haben, sich selbst aufzugeben, um die Partnerschaft am Leben zu halten.  Wer braucht schon eine von beiden Seiten mit Einflüssen gesteuerte Konversation, wenn man auch einfach gleich das selbe denken kann?

Zwischendrin gibt es noch einige „Normale“. Nicht ganz so verrückt, weniger extrem, dafür aber sehr realistisch. Sie verschwenden ihre Zeit weitaus weniger oft damit sich mit Dingen herumzuquälen, die nicht länger funktionieren. Sie wissen das Liebe temporär sein kann. Dass Liebe temporär sehr schön sein kann. Und dennoch, auch wenn sie fast schon wie ausgestorbene Dinosaurier scheinen, hier und da taucht ab und an ein Romantiker in der Masse auf. Einer derjenigen unter uns, die verzweifelt nach der großen Liebe suchen, während sie sich eigentlich nur in ihren Tagträumereien, den perfekten Tumblr-Liebesszenarios verlieren. Während sie die wahre Welt ausblenden.

Mir ist wohl bewusst, dass es all diese Beziehungstypen schon in früheren Jahrzehnten gab. Ich weiß, dass die Liebe so unterschiedlich ist, wie die Menschen die sie empfinden. Aber egal, wie man es dreht, meine Generation stellt alles auf den Kopf. Und wenn nicht alles, dann zumindest einiges. Wir ver- und entlieben uns heutzutage schneller. Wir gehen uns schneller nah und noch viel schneller auf den Sack. Wir sind immer verbunden, nie allein. Der Partner ist selbst dann da, wenn er weit weg ist. Sehnsucht. Sehnsucht, das ist ein Fremdwort für uns geworden. Sie entsteht nicht mehr, weshalb wir diese Art von Liebe gar nicht mehr erleben, geschweige denn empfinden können. Was wir als Sehnsucht kennen, ist viel mehr körperliche Lust, denn erreichbar sind wir mittlerweile ja immer und überall. Nur anfassen kann man sich übers Display noch nicht.

Lederweste – H&M; Pullover – Urban Outfitters; Hose – Benetton; Schuhe – Asos;                    Tasche – war ein Geschenk:)

Wir lieben anders als unsere Eltern und erst recht als unsere Großeltern. Wir binden uns nicht mehr auf ewig. Wir versuchen es erst gar nicht – Die Dinge müssen einfach sein. Ohne viel Tara. Ohne Drama und ja nicht mit zu viel Anstrengung verbunden. Wir laufen lieber vor unseren Problemen weg, als dass wir versuchen sie gemeinsam zu lösen. Wir machen lieber alles gemeinsam, anstatt uns für die eigenen Interessen einzusetzen. Wir lieben anders, auf eine neue Art und Weise. Wir lieben schnelllebig. Das ist nicht schlecht. Das ist keine Kritik von mir, denn ich kann und will mich gar nicht ausschließen. Wir alle wissen, dass Liebe nur noch in den seltensten Fällen für die Ewigkeit bestimmt ist, noch viel seltener die erste. Wir wissen es alle und wir haben uns damit abgefunden. Jeder auf seine eigene verrückte Weise-

Dieser Beitrag erschien zuerst in Tageszeitungen der Verlagsgruppe Südthüringer Zeitung.

Die Große Liebe.

Ihre Liebe war faszinierend. Nicht, dass sie selbst viel davon bemerkten. Für sie war es alltäglich. Ganz normal. Für sie war dieses Miteinander nichts Außergewöhnliches. Selbstverständlich vielleicht sogar.

Es passte. Es hatte Klick gemacht. Feuerwerk. Schmetterlinge im Bauch. Und seitdem war alles gut. Nicht perfekt, aber nahe dran.

Was für die Beiden keine große Sache war, war für den Rest der Welt vor allem das. Etwas ganz Großes. Die größte Sache der Welt. Die große Liebe.

Die Erkenntnis dessen schwang in der Atmosphäre des Raums, eine unausgesprochene Tatsache. Die Knospen dieser Liebe reiften überall: In der Art, wie er sie ansah. In jeder Bewegung, die sie machte. Ihr tänzelnder Schritt; seine strahlenden Augen. Für die Außenwelt schien die ihre wie eine Zuckerwattewelt. Rosarot und klebrig süß. Gebaut auf luftig geschlagenen Wolken. Für die Außenwelt schien alles perfekt. Das fulminante Finale einer romantischen Komödie.

Doch nichts ist perfekt, nicht mal die Liebe. Nicht mal die große Liebe. Der schöne Schein trügt. Irgendwann bröckelt jede Fassade.

Im Grunde waren sie ganz normal, ein alltägliches Pärchen. Menschen wie Du und Ich. Menschen, die sich liebten, sich hassten; sich in den Armen lagen und sich die Köpfe einschlugen. Das, und alles zwischendrin. Ihre Liebe war nicht perfekt, vielleicht nicht mal die große. Und trotzdem, sie war das Kämpfen wert. Jedes nette, jedes schlechte Wort. All die Fetzen, die flogen. Kein Streit war schrecklich genug, denn es waren die schönen Momente, die zählten. Die ausgehfeinen Momente. Die vorführbaren. Diese Momente machten die Liebe perfekt. Für sie, für ihn, vor allem aber für alle anderen.

Eigentlich waren sie ein ganz normales Paar, umgeben von Illusionen. Zwei Schauspieler, Liebhaber, Menschen. Menschen. Menschen wie Du und Ich. Die Fassade bröckelt, ja, aber sie lässt sich restaurieren. Auf Vordermann bringen, auf Hochglanz polieren. Baumängel lassen sich vertuschen. Vertuscht man sie nicht zu lang und sind sie nicht allzu groß, so haben sie noch kein Haus zum Einsturz gebracht.

Ich wollte so lange sein wie sie und meine eigene Traumwelt haben. Ich wollte selbst zwischen Zuckerwatte leben. Ich wollte solange sein wie sie, bis ich irgendwann vergaß, dass wir eigentlich ein und dieselbe waren. Menschen mit Sehnsüchten und Träumen. Mit Sorgen und Wut. Im Bauch, im Kopf, im Herzen. Menschen wie Ich und Du.

Die Liebe ist nicht perfekt – nicht heute, nicht gestern, nicht morgen. Groß? Groß vielleicht. Und wenn auch nicht, dann wenigstens menschlich.

The One Thing I Don’t Like About Christmas

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DEU: Weihnachten. Ich liebe diese Zeit, die Gerüche, die Musik, die ganze Atmosphäre. Ich liebe es, wie die Menschen plötzlich aus ihren Höhlen kriechen, um nett zu sein. Um vorweihnachtliche Stimmung zu verbreiten – Wir reden schließlich nicht umsonst vom Fest der Liebe. Vom Fest der Liebe und des Kapitalismus und für manche von uns steht wohl eher Letzteres im Vordergrund. Ich bemerke es überall. An jeden Straßenecke. In jedem bis zur Decke mit Menschen vollgestopften Bus. Im Fernsehen und auch im Internet. Weihnachten ist nicht das, was es mal war. Und dabei rede ich gar nicht von christlichen Bräuchen. Die hat die Hälfte der Menschheit sowieso vergessen.

Wo soll ich nur anfangen? Wo hat das Elend seinen Ursprung? Dieser Konsum-Wahn, der all die Liebe und Fröhlichkeit übertrifft. Ich weiß es ehrlich nicht, denn er scheint alltäglich geworden. Nicht mal vor den Verkäufern in Weihnachtsmarkt-Buden hat er Halt gemacht: In diesem Jahr drängen sie dir lieber unfreundlich ihre Produkte auf, als ein frohes Fest zu wünschen. Von den Schlangen in den Einkaufszentren möchte ich gar nicht erst anfangen. Die Körbe übervoll geladen stehen sie da, Jung und Alt, bewegen sich im Schneckentempo vorwärts und zählen dabei immer und immer wieder auf, wen sie ihn diesem Jahr beschenken „müssen“. Damit auch ja niemand vergessen wird.

Blogs platzen aus allen Nähten, weil ein Gewinnspiel das nächste jagt. Es ist schön und gut, dass man am Ende des Jahres Danke sagt. Ich bestreite nicht, es selbst tun zu wollen, aber gleich 24 Mal? Für mich ist das keine Großherzigkeit, sondern bloße Werbemasche.

Haben wir denn nicht mehr zu bieten als das? Sind wir nicht mehr als unsere Geschenke? Gibt es nicht viel wichtigere Dinge?

Natürlich. Natürlich wissen wir das auch. Natürlich handeln wir nur bloß nicht so. Wirklich großherzig können doch die anderen sein. Die, die zu viel haben. Der kleine Mann hat doch selbst nichts. Wir nehmen stattdessen jedes Geschenk, das wir kriegen können. Möglichst schön und groß. Denn nicht die Liebe und Kreativität bestimmt länger den Wert eines Geschenks – der Preis tut es. Das selbst geschriebene Gedicht landet im Müll während die Konzertkarten stolz unter dem Weihnachtsbaum präsentiert werden.

Haltet mich an dieser Stelle bloß nicht für einen Gegner von Geschenken und kleinen Aufmerksamkeiten. Das bin ich sicher nicht. Ich finde es schön, anderen eine Freude zu machen, indem ich sie beschenke. Ich liebe es, selbst Geschenke zu bekommen. Allerdings zählt für mich nicht, wie viel jemand zahlt. Ich will nur sehen, dass man sich Gedanken macht. Liebe ist das höchste Gut und sie ist unbezahlbar.

Ich hoffe sehr, dass wir wieder zurück zu den Wurzeln des Weihnachtsfestes finden. Dass es irgendwann wieder um mehr geht, als den Konsum. Denn wenn wir schon unseren Wohlstand feiern, dann sollten wir ihn auch teilen. Wie wäre es zum Beispiel in diesem Jahr ein Paar Euro zu spenden? An eine gemeinnützige Organisation in eurer Nähe, oder an größere wie das Deutsche Rote Kreuz oder den WWF. Es müssen keine Unsummen sein. Selbst wenn ihr nicht daran glaubt, dass Spendengelder ankommen, gibt es Möglichkeiten Gutes zu tun: Sei es, indem ihr den fröhlich Weihnachtslieder spielenden Musikanten in der Fußgängerzone Kaffee kauft.

Darum geht es doch an Weihnachten. Ums Miteinander. Nicht darum, wer das teuerste Smartphone bekommt.


ENG: Christmas. I love this time of the year, the smells, the music, the whole atmosphere. I love how people suddenly creep out of their cave to be nice to one another. To spread Christmassy feelings – Christmas isn’t the holiday of love for no reason. The celebration of love and ice-cold capitalism. Sometimes I even think the second fact is more important to some of us. And I can see it everywhere. At every corner of the street. In every bus that is full of people. On TV and of course on the internet. Christmas isn’t what it once was anymore. And I don’t even talk about Christian traditions. These are already forgotten by half of the people already anyways.

Where shall I start? Where’s the origin of all this nonsense? This mania of consuming that overshadows all love and happiness. I really don’t know, it seems just like it has become somehow normality. Not even sellers on Christmas markets are save: This year they more likely unfriendly force you to buy their products instead of wishing ‘Merry Christmas’. And let’s not talk about the queues in shops and malls. Baskets full of presents they’re standing there, young and old alike, only moving at a snail’s pace while repeating the names of their loved ones (aka everyone the feel like having to buy a present for) over and over again. So no one is forgotten in the end.

Blogs are bursting at the seams because of all the giveaways. It’s really nice to say thank you at the end of a year. I don’t deny this, I would do it myself. But 24 times?! In my mind that’s not generosity, it’s marketing alone.  

Aren’t we more than that? Aren’t we more than our presents? Aren’t there things of greater importance?

Of course. Of course we know that, too. Of course we only don’t act like we knew. Shall the other be generous. Those, who already have too much. People like us don’t have anything left. We rather take every present we can get our hands on. Big and pretty ones in the best case. Love and creativity do not longer determine what a gift is worth – only the price tag does. The hand-written poem ends up in the trash while concert tickets are proudly presented under the Christmas tree.

Please don’t think I’m against presents and small attentions because of the past lines. I’m surely not. I love to make people happy, to give back from time to time. I love to be gifted by others. But I’m not interested in the price someone pays. I just want to see the thoughts behind a present. Love is the greatest good, isn’t it? And it’s priceless.

I very much hope, that one day we’ll find our way back to the roots of all this Christmas stuff. That someday it will be about more than consuming again. In my mind it’s only consequential that if we have to celebrate our wealth, we should also share it. How about donating some money this year? To charitable foundation close to where you live or to bigger ones that act on an international basis. It doesn’t have to cost you an arm and a leg. Even if you don’t believe in the fact that donated money is actually given to people who need it, there are thousands of other possibilities to do good: You could buy coffee for the guys that play Christmas songs on the streets every day.

That’s what Christmas is about. Togetherness. Not about who gets the most expansive smartphone.

Column: Schöne Neue Welt

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DEU: Eigentlich wollte ich mich am liebsten schon Mittwoch äußern. All meine Gefühle einfach aus dem Bauch heraus zu Papier bringen. Meiner Wut Luft gemacht. Mich beschwert. Ein bisschen rumgeheult. Aber zu was hätte das schon geführt? Zu nicht viel, wie ich befürchte – es hätte uns kein Stück weiter gebracht. Ob uns die heutige Kolumne weiterbringen wird, müsst ihr mir in den Kommentaren erklären, ich weiß nur, dass ich meine Meinung an dieser Stelle auf eine Weise in die Welt posaune, mit der ich leben kann. Diesen Bericht kann ich auch noch in zwei Jahren mit gutem Gewissen lesen, ohne mich zu fragen, warum ich damals nur blindlinks drauf los schreiben musste.

Donald Trump übernimmt das Amt des amerikanischen Präsidenten. Wer hätte das gedacht? Viele von uns hatten wohl eine miese Vorahnung, so richtig daran glauben wollte allerdings keiner. Wir dachten alle, man könnte aus der Geschichte lernen. Dass niemand auf die Idee kommt einen Mann zu wählen, der ganz offen für Faschismus, Sexismus und Homophobie steht. Doch vor drei Tagen circa die Hälfte der Amerikaner genau das getan. Sie haben ihn gewählt und damit einen Reality-TV-Star zum Staatsoberhaupt und sich selbst zur Lachnummer gemacht. Die ganze Welt lacht. Lustige Memes überall. Und so sehr wir auch lachen, es fließen genauso viele Tränen. Denn auch wenn sich Trump nach der Wahl positiver zeigte als während des gesamten Wahlkampfes, stehen uns unsichere Zeiten bevor. Ich schreibe absichtlich „uns“. Es geht nicht nur um Amerika. Es geht um die Welt. Es geht um Rechte und Freiheiten, die sich viele von uns wirklich hart erkämpfen mussten. Es ist traurig, wenn diese mit Füßen getreten werden. Von einem Mann, der öffentlich klar gestellt hat, dass er alles hasst, was nicht weiß, männlich und heterosexuell ist. Einem Mann, der die Probleme unserer Zeit schlichtweg ignoriert. Den Klimawandel gibt es Mr. Trump. Und er ist sehr real.

Wer sich jetzt fragt warum ich mich aufrege, als Europäerin, die doch so weit weg von all dem ist, der hat noch nicht erkannt, dass wir uns keineswegs außerhalb der Gefahrenzone befinden. Donald Trump ist nicht der einzige Idiot auf dieser Erde und sein Wahlsieg hat schon längst Wellen geschlagen. Ja, in Europa. Unter den Menschen, die gerade mit dem Finger nach Westen zeigen.

Die rechtspopulistischen Parteien begannen schon in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag Trumps Sieg für ihre Zwecke zu nutzen. Frauke Petry gab stolz bekannt, der unterdrückte Bürger habe nun endlich eine Stimme erhalten. Endlich. Bisher war er schließlich von bösen Politikern unterdrückt wurden, die tatsächlich der Meinung waren alle Menschen wären gleichwertig. Denken wir doch nur mal kurz darüber nach. Ist die AFD nicht das beste Beispiel dafür, dass ein Sieg wie der Trumps kein amerikanisches Phänomen ist? Im kommenden Herbst sind auch bei uns in Deutschland Wahlen. Ich hoffe wir können aus den Fehlern anderer lernen und müssen sie nicht selbst nochmal begehen. Rassismus, Fremdenhass, Frauenfeindlichkeit – alles, für was diese Menschen stehen – diese Dinge haben keinen Platz mehr in unserer Gesellschaft, unserer Welt.

Lasst uns gemeinsam dagegen vorgehen. Nicht mit noch mehr Hass. Aber mit Liebe. Der Populismus hat vielleicht für den Moment gewonnen, aber wir sind die Zukunft.


ENG: Originally I wanted to write something on Wednesday already. Put all my thoughts on paper. Give vent to my anger. I would have complained. Had a good cry. But what else? Not much, I suppose. We wouldn’t be in any different position than before. You have to decide if today’s column will get us somewhere after reading it, I only know, that I’m publishing my opinion in a way I can live with. I’ll can read this article in a couple of years without being ashamed.

Donald Trump is elected as the next president of the United States. Who would have guessed? Most of us perhaps had kind of a bad foreboding, but never quite believed it. We all thought one could learn from history. We thought no one would actually come up with the idea to vote for a man who represents fascism, sexism and homophobia publicly. However, three days ago half of America did exactly that one thing. They voted for him and made a reality-TV star their new president and themselves a laughing stock. The whole world is laughing. Funny memes are everywhere. But no matter how hard we are laughing, there many tears, too. Even though Trump showed himself better than ever before after the election, dark times are still coming. To all of us. It’s not only about the USA. It’s about all citizen of this world. It’s about the rights and freedom our ancestors had to fight hard for. It’s sad to see when these are treated with contempt. By a man of made clear he hates everyone who’s not white, male and hetero. By a man who simply ignores all issues of the 21st century. Climate change exists Mr. Next President. And it is quite real.  

I’m European, far away from all this and I’m still worried. Don’t ask me why, because if you do you surely haven’t understood that we aren’t out of the dangerous zone. Donald Trump is not the only idiot we have on this planet and his triumph already made massive waves. Yep, even in Europe. Between those people who point their fingers westwards at the moment.

Right-wing populist parties began to use Trumps election for their own benefit in the night from Wednesday to Thursday. Frauke Petry (the evil on earth, I’m telling you) proudly announced that the suppressed citizen finally got their voices back. I mean, of course they were supressed by all those evil politicians until now, who thought that all people are equal. Just think about this for a moment or two. Isn’t the German party AFD the best example for the fact that a victory like Trump’s isn’t an American phenomenon? Next autumn there will be elections in Germany and I don’t want to think about it yet. Let’s just hope we’re able to learn from the mistakes others made and don’t have to do the same. Racism, xenophobia, sexism – everything those people stand for – there’s no space for these things in our society anymore.

Come on, let us unite against them. Let’s show them we’re stronger. Populism may have won an election, but we are the future.

Internet Sexism

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beautiful drawings by elesq via tumblr – send her some love

Vor einiger Zeit postete ich ein Bild im Netz. Nichts Großartiges. Zumindest nicht für mich.

Es waren die letzten heißen Tage dieses Sommers und ich drauf und dran mich auf den Weg ins Schwimmbad zu machen. Der Badeanzug den ich trug war schon ein bisschen sexy. Das gebe ich zu. Aber gleichzeitig auch unfassbar schmeichelhaft. Warum also nicht ein Bild davon auf Instagram posten? Ich hatte keine spezielle Intension. Im Nachhinein betrachtet und mit dem Wissen, was für eine Welle an Aufmerksamkeit ich damit lostrat, hätte ich das Ganze vielleicht nochmal überdenken sollen:

Ein ehemaliger Klassenkamerad fragte mich doch tatsächlich „was ich den bitte für Bilder poste“. Ich habe ihm bis heute nicht auf diesen Kommentar geantwortet. Warum auch? Wäre ich ein Kerl, würde es niemanden scheren wie viel Haut ich im Internet zeige. Bin ich nur nicht. Ein Bild meiner bedeckten (!) Brüste ist also ziemlich unmoralisch. Auch in der Schule wurde ich auf das Bild angesprochen. Eine Sache, die so niemals vorkommen würde. Man fragte mich, wie ich auf die Idee kam meine Brüste ins Netz zu stellen und sagte mir, dass ich ziemlich mutig wäre. Wirklich verstehen konnte ich das nicht. Ich fand und finde dieses Bild nicht schlimm. Weder anstößig, noch freizügig. Klar, man sieht ein Stück meines Busens. Man sieht, dass er existiert. Ich kann verstehen, wenn manche Menschen, das für „zu viel“ befinden. Ich kann verstehen, wenn sie selbst nichts Ähnliches posten würden. Aber muss man mich dafür beurteilen? Muss man Vermutungen über mich und meine Intentionen anstellen? Nein. Immerhin entscheide ich, und nur ich ganz allein, darüber, wie ich mich zeigen will. Im Internet und in der Realität. Nur weil ich meinen Badeanzug als schön und einen Instagram-Post würdig empfinde, sollte noch niemand schockiert sein.

Das sind meine ganz persönlichen Erfahrungen mit Sexismus im Netz. Eine Kleinigkeit, aber trotzdem in gewisser Weise sexistisch. Es geht noch wesentlich schlimmer. Ich bin ehrlich, Sexismus ist überall. Auch wenn wir es gerne verleugnen würden, er bestimmt unseren Alltag. Weil es mittlerweile schon unglaublich festgefahren ist. Ich bin viel im Internet unterwegs. Es ist etwas Alltägliches für mich, weshalb ich auch bei diesem Beispiel verbleiben möchte.

Mit welchen Themen werden weibliche Blogger und Youtuber denn heutzutage in Verbindung gebracht? Mal scharf nachdenken. Beauty und Mode vielleicht? Mit was auch sonst. Es stimmt schon, wir beschäftigen uns mit diesen Dingen, ich selbst schreibe auf meinem Blog auch über Mode. Aber vergisst die Gesellschaft nicht, dass wir uns auch mit anderen Themen beschäftigen? Mit Politik, Sport, Musik, Kunst, ja die ein oder andere auch mit Video-Spielen. Wir sind doch alle Individuen. Auch wenn man es auf den ersten Blick nicht vermutet, im Internet werden wir (genau wie in der „realen“ Welt) trotzdem alle über einen Kamm geschert.

Wir werden mit Idealen konfrontiert, die besonders viele Likes erhalten. Mädchen und Frauen wird eingetrichtert, wie sie zu sein haben um Beliebtheit im Netz zu erreichen. Denn das ist es doch, was heute zählt. Und weil der Großteil von uns diesen Idealen nacheifert, werden wir langsam aber sicher zu einem Einheitsbrei. Ohne es zu merken.  Ich beurteile niemanden, der wie Kylie Jenner sein will. Der jeden Tag 2 Bilder seines perfekt geschminkten Gesichts veröffentlicht und damit Tausende Likes und Kommentare kassiert. Aber ist unsere Welt nicht verrückt? Wir werden heutzutage auf Schritt und Tritt beobachtet und bewertet.

Dir gefällt was ich mache? Du likest mein Bild. Vielleicht kommentierst du auch. Aber wehe mir, es gefällt dir nicht. Dann konfrontierst du mich. Redest darüber. Zerreißt dir das Maul.

Niemand will es wirklich für wahr haben, aber auch das ist Sexismus. Ich habe das oft erlebt und will, dass es aufhört. Nur kann man die Welt nicht an einem Tag retten. Aber mit dem beurteilen anderer können wir von heute zu morgen sehr wohl Schluss machen. Denn ich mag zwar eine Frau sein, von der ein gewisses Verhalten erwartet wird, aber ich entscheide selbst. Lasst mich doch meine Brüste zeigen. Free the nipple. Lasst uns Frauen doch einfach machen. Nein. Nicht nur uns Frauen. Alle. Hören wir doch einfach auf uns gegenseitig über Geschlechterrollen belehren und in Schubladen stecken zu wollen. Wenn nicht im Internet, dem Medium unserer Generation, wo wir angeblich alle sein können, wie wir wollen und wirklich sind, wo dann bitte sonst?


I posted a photo on Instagram some time ago. Nothing too crazy. At least not to me.

The last hot days this summer, I was about to set out to a public swimming pool with some friends. The swimsuit I wore back then was a bit sexy. That’s what I admit. But it was incredibly flattering at the same time. So why shouldn’t I post a picture of it on Instagram? Well, retrospectively, with the knowledge of what a wave of attention I caused, I probably should have overthought the whole thing again:

A former classmate really did ask me „how I could post such photos“. I never answered his message. Why? If I would be a guy, no one would care about how much skin I show on the Internet. Not even a little. But I’m not. Therefore a picture of my covered (!) boobs is more than wrong to morality. They even talked about it in school. Something that never happened before with any other of my photos. I was asked how posting a picture of my boobs came into my mind. They told me I’m brave. I never really understood why exactly. I don’t see and never saw what the bad thing about this photo is. It’s neither indecent, nor revealing. Okay, you might see part of my breasts. You see they exist. I totally understand if people think that’s “too much”. I understand if they wouldn’t publish similar things. But is it necessary to judge me for doing so? Do people really have to speculate about me and my intentions? Nop. After all it’s my decision, and mine only, how I show myself to the world. On the internet and in reality. Only because I find my swimsuit is pretty and Instagram-worthy, no one should be shocked.

These are my very personal experiences with internet sexism. A trifle, but still sexist in some way. There are way worse cases, I know. But to be honest, sexism is everywhere. Even though we often deny it (or at least would like to), it affects our everyday life. Just because it’s inexplicably stuck in our heads. I spend a lot of time in the World Wide Web. It’s bread-and-butter to me, which is why I want to remain with this one example.

Which topics do you associate with female bloggers and youtubers today? Let’s think about it. Beauty and fashion maybe? What else could it be? It’s true, we deal with these issues. I mainly write about Fashion on my blog myself. But doesn’t society forget we are more than that? We’re interested in other things, too. Politics, sports, music, art and yes, the one and the other even is into video games. Holy God. We’re all individuals. Although you wouldn’t case at first glance – we’re all coloured with the same brush on the internet (just like in “real” world).

We’re confronted with so called „idols“, who receive a lot of likes. Girls and women are told how they have to be, so they can be successful online. That’s what counts in our world, doesn’t it? And while the majority of us try to equal to all those Kim K’s out there, we all become one big mishmash. Without even noticing it. I don’t judge someone, who wants to be like Kylie Jenner. Someone who daily posts two pictures of her perfectly glammed up face and gets thousands of likes and comments. But isn’t it crazy? Nowadays we’re looked at and then evaluated. Always and everywhere.

You liked what I do? You like my picture/my article/ whatever. Perhaps you also comment. But woe is me if you don’t. Then of course you have to confront me. Some hate never hurts.

Nobody really wants to see this, but all these things are pure sexism. I often experienced and I wish it


– Dieser Artikel erschien in gekürzter Form zuerst am 11.10.2016 in den Tageszeitungen Freies Wort, Südthüringer Zeitung und FW Meininger Tageblatt. –

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